Politische Geiselhaft (1)
Zwang und Voreingenommenheit im politischen Diskurs
17.03.2020Ich werde mir unter dem Titel „Politische Geiselhaft“ erlauben, in loser Folge meinem Ärger und meine Abneigung gegenüber dem Politikbetrieb Luft zu verschaffen. Ich habe begonnen mich zu engagieren wegen Politikern, die mir meine Zukunft in einer Weise gestalten wollten, die ich mir dann so nicht recht vorstellen konnte. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber mir blieben Eindrücke: dass alles gross war, und sie wüssten wer mit wem und überhaupt, der Bund, und alle würden gewinnen und blablabla. Diese Typen hatten keine Ahnung, von was sie redeten, aber es ging immer um viel Stutz und Rechthaberei. Kaltschnäuzige Politik als Geschacher meiner Zukunft, so kam es mir vor.
Intention
Danach hatte ich etwa 30 Jahre lang recht viel Politik am Hals, mit Sitzungen, Standaktionen, Unterschriftensammlungen, Brätlen an Opem-Airs, Kilbistand, Gemeindeversammlungen, offenen Leserbriefen und natürlich der obligaten Wahlfeier. Aber alles ändert sich mit der Zeit, man wird älter, die eigenen Perspektiven und Ansichten ändern sich. Obwohl parteiintern alles suppi toll ist, merkst Du auf einmal, dass es auch in der eigenen Partei diesen Typus „kaltschnäuziger* ige“ gibt. Von nichts eine Ahnung, aber das mit voller Überzeugung. Dann stehen auf einmal Positionen im Raum mit einem absolutistischen Wahrheitsanspruch, der an: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich, mahnt. Will ich das? Ich habe mich zuerst öffnen müssen, nämlich dem neuerlichen kritischen Denken. Wenn mir diese Leute nicht behagen, gäbe es dann nicht auch einen intellektuellen Grund? Gab es nicht. Dennoch habe ich mich händeringend an etwas klammern wollen, was irgendwie ein bisschen wie: „Im Grundsatz ist man sich einig“, klang. Ist man aber nicht.
Schisma personellement
Andere Ansichten darüber, wie das Leben vonstatten zu gehen hat, als meine eigene haben mich immer sehr interessiert. Andere Meinungen sind wichtig, ich versuche sie zu verstehen und in meinen Kanon einzuordnen. Ich bin Pluralist. Aber man muss und kann nicht alles gutheissen, vor allem eben auch von Leuten, die man auf der eigenen Linie meint. „Wenn etwas nicht auf der Parteilinie liegt, heisst das nicht automatisch Fascho.“ Ein Satz, den ich zeitweise gebrauchen musste. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr ernsthaft für die vielen halbgaren Ideen und Weltrettungen der Partei hingeben, trotz meinem hoffentlich offenen Geist. Tschüssi Stockholm-Syndrom! Ich bin nun schon seit einiger Zeit politisch heimatlos.
Korsett
Ich wurde in politische Geiselhaft genommen. „Du bist doch noch bei uns, oder nicht? “, war die Frage. Ansonsten bist du rechts oder Rassist. Alles erlebt, was heisst eigentlich rechts, was ist das? (Erstaunlicherweise werde ich nie mit den ehemaligen Gulagbetreibern verglichen…) Man wird in ein Korsett gezwängt. Ich habe herausgefunden, dass es ganz viele solcher Geiselhaften gibt. Überall in der Politik und das in jeder Partei. Hauptsache ist, irgendetwas wird durchgezogen, koste es was es wolle. Ich erinnere da nur an Bundesrat Sämi Schmid und seine Abdankung als denselben. Oder an Steuersenkungsmauscheleien. Der letztendliche Ausschlag, diese Kolumne zu starten, war die Theoriefuzzifraktion, die in meiner alten Partei mittlerweile das Sagen hat. Bei diesen Leuten treffen übertriebene Weltrettungsphantasien auf die totale Inkompetenz. Um die Leute in der Partei, trotz fehlender Stringenz ihrer Gedanken und um die eigenen alchemistische Heilsversprechen wahr zu machen, bei der Stange zu halten und ihre Ziele als die eigenen zu denken, wird eine Drohkulisse aufgefahren (siehe oben). Ich soll/muss mitmachen, sonst verliere ich die Liebe der Partei oder sogar die Existenz. Nicht mit mir!
à suivre
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